Da stolpere ich doch eben über einen Wahlwerbespot der CDU.
Überschrieben mit
Die ersten Wahlspots im Internetfernsehen: “Zukunft”
findet sich dieser Spot bei Youtube:
Es geht um eine junge Frau, vermutlich eben dem Abitur entstiegen und nun Studentin und so auf dem Wege von zu Hause, wo auch immer das sein mag, in die Universität. So klinken wir uns ein und begleiten die junge Dame.
Irgendwie (entschuldigt, das konnte ich mir jetzt irgendwie nicht verkneifen), habe ich das Gefühl, nicht ganz wach zu sein. Die Welt ist gelb. Extrem gelb, unnatürlich, wie von extrem künstlicher Beleuchtung erfüllt. Und genau das ist es. Wir befinden uns in der U-Bahn, in die unsere junge Begleiterin, nach zehn Minuten Fußweg einsteigt:
00:04
Ich stehe jeden Tag kurz nach halb acht auf.
Von zu Hause brauche ich vielleicht zehn Minuten zur U-Bahn und dann vielleicht nochmal eine halbe Stunde zur Uni.
Wir hätten also die ersten Informationen über sie: Frühaufsteherin und vermutlich wohnt sie noch zu Hause, oder doch zumindest weiter außerhalb, der Weg zur Uni kostet sie jeden Tag mindestens vierzig Minuten ihrer wertvollen Zeit, mit Rückweg also bereits fast eineinhalb Stunden. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Auf die Uhr wird nicht geschaut, denn:
00:11
In der Bahn bereite ich mich immer schon ein bißchen vor.
Uni ist heute eben nicht mehr 30 Semester und dann mal schauen.
Und wer sich nicht in der Bahn vorbereitet, der braucht eben 30 Semester. Aber nur ein bißchen reicht. Vielleicht, irgendwie. So sind sie, die Leistungsträger von morgen: ein bißchen mehr anstrengen, dann wird das schon!
Und was war das früher ein Lotterleben als Student! 30 Semester Party, dann mal schauen. So wie diese Latzhosenträger bei den GRÜNEN! Wobei… tragen die heute sowas noch? Vielleicht?
00:18
Die meisten wollen schon was werden und haben klare Vorstellungen.
Aber nur die meisten. Die wenigeren Studenten haben irgendwie keine klaren Vorstellungen, irgendwie. Die wollen arbeitslos sein und faulenzen. Vielleicht.
00:22
Naja, und die Krise beschäftigt mich auch, irgendwie.
Ich hatte noch nie Angst vor der Zukunft.
Aber jetzt ist das irgendwie anders.
Aber nur irgendwie. Es ist alles so… diffus. Aber vielleicht liegt”s auch daran, dass die junge Dame vor dem Abitur nur Mamma, Papa und die katholische Jugend Kleinlützlershausen im Kopf hatte? Aber das ist ja jetzt irgendwie anders.
00:31
Ich erwarte von einer Regierung, dass sie den Menschen Sicherheit gibt.
Dass man merkt, dass die sich aufreiben.
Dass die sich richtig reinhängen.
Weil mindestens die Terroristen vor der Haustür stehen und weil selbst ein Turbostudium diese junge Dame nicht davor retten wird, arbeitslos zu sein. Aber nun bitte sollen die Damen und Herren ein wenig Reibung verursachen. Wenn auch nur Aufreibung. Ich bin ja nun froh, dass meine junge Begleiterin fordert, dass “die sich richtig reinhängen” und nicht von “dass die hängen” redet, so sehr wallt nun das Blut der wohl eben Erwachten. Aufreiben, reinhängen. Wie Angela Merkel. Irgendwie, vielleicht.
00:39
Ich bin Realistin.
Ich erwarte jetzt keine Wunder.
Aber ich will auch nicht veräppelt werden.
Wir wollen”s ja auch mal nicht übertreiben, gelle? Denn, naja, reinhängen, aufreiben reicht. Ergebnisse darf niemand erwarten, fragt mal den Münte, der kennt sich aus damit. Auch wenn der eigentlich von den anderen ist. Vielleicht, irgendwie so. Aber verarscht die junge Dame auch nicht! Die merkt das! Spätestens nach dem achten Kaffee oder so irgendwie.
00:45
Ich finde, es müsste wieder stärker um die Menschen gehen, die sich anstrengen.
Die lernen, “ne Ausbildung machen oder jeden Tag arbeiten gehen.
Die Steuern zahlen und sich an die Regeln halten.
So”n Otto Normal eben.
Ich mag für die junge Dame zusammenfassen, was sie so diffus von sich gibt:
1. Wer sich anstrengt, der soll dafür belohnt werden (hatten wir oben schon mal, reinhängen!)
2. Wer lernt oder arbeitet ist: Otto Normal
3. Wer sich an “die Regeln hält” ist: Otto Normal
im Umkehrschluss gilt also:
4. Wer wie ne faule Nuss rumhängt soll bestraft werden.
5. Wer nicht lernt, nicht arbeitet, arbeitslos, vermutlich unschuldig, ist: unnormal
6. Wer der Meinung ist, dass “die Regeln” (sucht Euch welche aus: 10 Gebote/Zugangserschwernissgesetz/SGB/[Die Regeln einer 19 Jährigen nach dem Abitur, zu Hause wohnend, von Eltern bezahlt]) nicht das Ende der Weisheit sind, ist: unnormal
Irgendwie so meint sie das. Vielleicht.
00:58
Ich glaube, wenn wir alle zusammen halten schaffen wir das schon.
Ja, wir alle. Vier alle! “Wer ist denn nun wir?”, möchte ich der jungen Dame entgegenrufen! Wer? Denn von diesem “Wir” redet auch ständig die couragierte Kämpferin wider die Massenvergewaltigungsverhinderungsmaschine (aka Inter… ne, Web!). Sind “Wir” das gleiche wie “Die”, nur anders herum? Ich ahne, ich werde es nie erfahren… Vielleicht…
01:03
Meine Mamma sagt immer, ich bin die geborene Optimistin.
Vielleicht, junge Frau, vielleicht, wenn Du noch ein paar Semester an Dein Turbostudium hängst, vielleicht lernst Du dann sogar, was indirekte Rede ist.
Ich wünsche Dir viel Glück. Irgendwie…
Ja, so ist das. Das Weltbild ist ein einfaches, und wer diesen Spot gemacht hat, der muss unsere Studenten heute für ein verdammt dämliches Volk halten. Ein bißchen was in der U-Bahn, dann bin ich für”n Rest des Lebens in Sicherheit mit meinem Job.
Dieses diffuse Gefasel passt auf alles und nichts. Irgendwie. Vielleicht. Mal sehen, heute so, morgen vielleicht schon nicht mehr. Der Spot ist so anpassungsfähig wie unsere Politiker: “Ich hab” eiserne Grundsätze, und wenn die Ihnen nicht gefallen, hab ich auch noch ein paar andere.”
Ein paar Stichwörter werden wild in die Gegend geworfen, in der Hoffnung, der Zuschauer würde sich den Rest schon dazu denken. Vielleicht, irgendwie eben. Das Stichwort Sicherheit einerseits, frei formbar für jeden Geist, ob nun Sicherheit im Job, vor Terror oder was auch immer: Such”s Dir aus!
“Leistung! Leistung muss sich wieder lohnen!”, höre, rieche, schmecke ich fast heraus. Irgendwie, weil Anfeindungen gegen die “faulen Arbeitslosen” würde sich die CDU ja nun nicht wirklich ausdenken. Besser also, wir definieren was normal ist. Und den Rest? Richtig! Den darf sich jeder selbst denken.
Beschrifte Deinen Politiker selbst! Wir versprechen Dir, was Du Dir wünschst!
Dieser Spot ist inhaltsleer. Vage, diffus, irgendwie. Wie gut, dass wir die Realistin haben, die uns sagt, dass daraus am Ende ja doch nichts wird. Keine Wunder! Wer käme schon auf die Idee, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen? Nicht mal die SPD käme auf solch eine Idee, fragt den Münte!
So bleibt am Ende was übrig? Nichts! Aussagefreie Sätze, beliebige Positionen und Allgemeinplätze und eine Studentin, der ich so wie sie hier dargestellt wird niemals über den Weg laufen möchte. Die macht nämlich mir Angst, irgendwie…
Im echten Leben ist sie bestimmt sehr nett, aufgeschlossen, intelligent und weiß im Gegensatz zu ihrer Rolle, dass Arbeitslose nicht unnormal sind. Oder ist sie etwas auch Studentin an einer Privat-Uni, wie die Studentin, die für die SPD Wahlwerbung betreibt?
Aber die CDU zeigt im “Internetfernsehen”, was sie am besten kann: lauwarme Luft ablassen, farblos herumstehen und wie die Parteivorsitzende Salzsäule simulieren, während Schäuble, vd Leyen und Co. das Land in den Boden rammen.
Noch nie war es so leicht, nicht CDU zu wählen.