Nun ist es also wohl soweit. Ich mag mit meinem Mädchen zusammenziehen und das nicht nur, weil sich damit uU eine Menge Geld sparen lassen kann.
Umziehen, zusammenziehen… Da stellen sich ein paar nahezu essentielle Fragen. Das beginnt damit, welche Möbel der zwei Wohnungen ein Bleiberecht erhalten (“Deinen Esstisch können wir ja verkaufen”), über die Größe der neuen Wohnung (“Ein Arbeitszimmer wäre schon gut”) bis hin zur Frage, wie der Ablauf zu sein hat, denn auch das Timing will gut sein. Erste Wohnung kündigen, in die verbliebene ziehen, um von dort aus in die neue zu ziehen. Die Bleiberechtmöbel der ersten Wohnung wollen gelagert werden und zwischendrin immer wieder Wohnungssuche.
Und über allem die erste, entscheidende Frage, an der sich die Gemüter reiben: Wohin denn nun?
Innenstadt? Geht gar nicht mit einer Sechsjährigen, schließlich mag man die Kleine ja auch mal draußen spielen lassen, ohne alle Minute mit einem Unfall zu rechnen. Außenstadtteile? Sicher, aber dann vielleicht doch nicht zu weit draußen, Kesselheim geht gar nicht. Karthause? Per Pedes nicht so gut erschließbar. Rübenach? Vielleicht einen Tick zu weit draußen, aber im Hinterkopf behalten (“Weil da gibt”s Gärten”). Horchheim? Naja, ist doch zu weit ab. Pfaffendorf? Besser, aber he! ich bin Horchheimer! Wie wäre es mit Metternich? Da wohnt sowieso der halbe Freundeskreis. Ist aber schwierig wg. der Uni und teuer!
So geht”s dann weiter mit jedem Stadtteil. Aber keine Diskussion ist so nervig, als dass man nicht ein Thema daraus machen könnte. Deshalb startet hier mein externer Monolog zum Thema Koblenzer Stadtteile, zum Thema Koblenz, der Stadt, die mehr Stadtteile als Stadt hat. Es geht um Wohnqualität, Mietpreise, Umgebung, Nachbarn. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich im Extrem subjektiv bin, immer bemüht, auch andere Standpunkte einzuschließen. Lassen wir uns überraschen
Beginnen möchte ich mit dem Stadtteil, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, gleichzeitig der südlichste Stadtteil auf der rechten Rheinseite, mit Horchheim (ohne Horchheimer Höhe, die kommt noch)
I. Horchheim
Horchheim, mein Heimatkaff. Hier wurde ich 1972 geboren, hier wuchs ich auf, bis ich 1994 das erste Mal das Dorf verlies und in die Stadt zog. Dorf? Ja, keiner hier käme auf die Idee, “Stadtteil” zu sagen oder irgendetwas anderes. Ich schätze, das gilt für alle Koblenzer Stadtteile mit Geschichte.
Horchheim wurde 1937 nach Koblenz eingemeindet. Das dürfte auch heute noch für den einen oder anderen Horchheimer ein Trauma sein. Hin und wieder habe ich das Gefühl, man hätte auch mit Lahnstein als “Hauptstadt” kein Problem, aber da kann ich mich auch irren.
Aber ich schweife ab. Horchheim ist der südlichste aller rechtsrheinischen Stadtteile und bildet damit die Grenze zur Nachbargemeinde Lahnstein. In Horchheim selbst leben knapp über 3000 Menschen, hinzu kommt die Horchheimer Höhe mit noch einmal gut 1500 Menschen.
Horchheim war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Weinbau, später Obstbau waren Lebenserwerb. Viel davon sieht man nicht mehr, außer man macht sich die Mühe, die Architektur mit dem rechten Blick zu betrachten. Allerorten umgebaute Scheunen und Höfe und auch der eine oder andere Straßenname weist auf die Ursprünge im Weinbau hin.
Wie wohl die meisten Dörfer verfügt Horchheim über zwei Achsen, einmal in Nord-Südrichtung die Emser Straße, die bereits an der Pfaffendorfer Brücke und erst an der Grenze zu Lahnstein endet. Sie ist damit wohl eine der längsten Wege im Koblenzer Straßennetz, die sich durch reines Wohngebiet zieht. Die Terassenlage der rechten Rheinseite ist hier deutlich zu erkennen und zieht klare Trennlinien durch das Dorf, die sich auch in den Lebensgemeinschaften und Nachbarschaften wiedergibt. Dass sich mit dem Höhenniveau auch das intellektuelle Niveau der Einwohner hebt ist hingegen ein Gerücht.
Weiter geht”s morgen, wenn ich Zeit und Lust habe
Quellen:
Eigene Erinnerungen und sogenanntes Allgemeinwissen, das hoffentlich ausreichend korrekt ist.
Artikel Horchheim in der Wikipedia