Heute morgen, kurz nach dem Frühstück, während ich mir meine Schuhe anzog um frohen Mutes (*hust*) in die Arbeit zu gehen, da schaute es mir entgegen. Dieses Gesicht aus meiner Kindheit, das ich einerseits zuerst nicht zuordnen konnte, mir dann aber mit einer ungeheuren Wucht eine Erinnerung ins Gedächnis hämmerte, die seit bestimmt 25 Jahren vergraben war.
Dieses Gesicht im TV, das Schwarzweiß-Bild eines jungen Mädchens aus dem Jahre 1981. Gerade mal ein Jahr älter als ich selbst. Dieses Gesicht, das ich zwar im ersten Moment keiner weiteren Erinnerung zuschreiben konnte, das sich aber nach ein paar Wortfetzen aus den Nachrichten klar als das eines ermordeten Mädchens erwies.
Es ging durch alle Nachrichten und Zeitungen und wenn ich mich nicht irre, hingen auch Weile auf Plakate mit diesem Foto. Aber da kann ich mich irren. Aber ich erinnere mich an das ganz reale Bedrohungsgefühl. Sie war so alt wie ich und war verschwunden, ermordet worden, während der Täter nicht zu finden war.
Dieses Gesicht, das mich so fatal an die Schauspielerin der Annika aus den Pipi Langstrumpf-Filmen erinnerte, in die ich übrigens leicht verknallt war.
Jedenfalls stehe ich da vor dem Fernseher, höre mir den Beitrag an und merke, wie mich diese Erinnerungen und Gefühle streifen, die damals durch den Kopf eines Neunjährigen gingen. Angst, Trauer, Mitleid, Hilflosigkeit, Wut…
Nun scheint der Täter gefunden. Und das alles nach so langer Zeit.
Ich habe nicht viele Erinnerungen an diese Zeit. Aus Gründen, die mir nicht klar sind, ist vieles verschüttet, weg zu nicht unerheblichen Teilen.
Dieses Wochenende habe ich vielleicht die Gelegenheit, etwas Licht in diese Zeit zu bringen: Ein Ehemaligentreffen der Grundschulklasse steht an. Und wenn auch praktisch nur eine Handvoll Leute kommen, die Wichtigste ist da, nämlich unserer Klassenlehrerin, die mir vielleicht mit dem einen oder anderen Hinweis auf die Sprünge helfen kann.
Das wird ein 80er-Wochenende…